Manchmal reicht schon schnöde Statistik, um sich der Dringlichkeit einer Sache bewusst zu werden: Von den rund 18.000 Einwohnern in Glinde sind rund 9.200 weiblichen Geschlechts – etwas mehr als die Hälfte. Von diesen 9.200 Frauen und Mädchen hat laut einer vielzitierten Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahr 2004 jede Vierte bereits Gewalterfahrungen durch den (Ex-)Partner gemacht. In Glinde sind somit rein rechnerisch 2.300 Frauen von häuslicher Gewalt betroffen – unabhängig von Nationalität, Einkommen und Bildungsstand.

Diese 2.300 Frauen leben in Glinde in einer gut funktionierenden Gemeinde, gehen zum Sportverein, reden mit den Nachbarinnen und Kollegen, bringen ihre Kinder zur Schule, kaufen ein – kurzum, sie kommen täglich mit vielen netten Menschen in Kontakt. Und doch zeigen nur die wenigsten den Täter an, melden sich nur ein paar von vielen bei einer der Beratungsstellen im Umland oder holen sich anderweitig Hilfe. Erst wenn es zu spät ist, wenn die Gewalt so weit eskaliert, dass sie das eigene Leben oder das der Kinder bedroht, flieht eine Frau in eines der Frauenhäuser in Schleswig Holstein. Die meisten leiden still weiter, unfähig oder unwillig sich selbstständig aus der Gewaltsituation zu befreien.

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